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Die '''Melancholie''' (.</ref> bezeichnet eine durch ''Schwermut'' bzw. ''Schwermütigkeit,'' ''Schmerz,'' ''Traurigkeit'' oder Nachdenklichkeit geprägte Gemütsstimmung, die in der Regel auf keinen bestimmten Auslöser oder Anlass zurückgeht. In Bezug auf eine psychische Disposition oder ein Krankheitsbild ist der Begriff ''Melancholie'' im 20. Jahrhundert weitgehend durch den Begriff der Depression ersetzt worden. Der Melancholiker ist ein Mensch, bei dem das melancholische Temperament überwiegt. Der Begriff ''Melancholie'' wird in Philosophie, Medizin, Psychologie, Theologie und Kunst behandelt. Eine ähnliche Bedeutung haben der romantische Weltschmerz und der Trübsinn.

Medizingeschichte

Die historische Entwicklung des Melancholie-Begriffs hat ihren Ausgangspunkt in der antiken Humoralpathologie, auch als ''Viersäftelehre'' bekannt, die dem griechischen Arzt Hippokrates von Kos zugeschrieben wird. Er bzw. die Hippokratiker erklärten die ''melancholia'' (). Der früheste Beleg des Wortes findet sich in der hippokratischen Schrift ''Über Luft, Wasser und Ortslagen'' (um 420 v. Chr.).

Die sich in Schwermut und anderen Gemütsveränderungen äußernde Schwarze Galle galt in der Humoralphysiologie als Endzustand von angesengten (angebrannten) Leibessäften (Blut, Schleim und Gelber Galle).

Galen (2. Jahrhundert n. Chr.), der das medizinische Wissen seiner Zeit zusammenfasste und den Vorstellungen der Hippokratiker folgte, sah den Ursprung der Melancholie ebenfalls in einem Überschuss an ''schwarzer Galle,'' einer der vier Körpersäfte oder ''humores,'' die in der Milz und den Hoden produziert würden. Nach der Temperamentenlehre bestimmt die schwarze Galle den Charakter der Melancholiker und korrespondiert mit dem Element Erde, dem Herbst, dem Erwachsenenalter, dem Nachmittag.

Die schwarze Galle wurde in der Antike als Ursache für die Bildung von , Wolfgang Wegner (Hrsg.): ''Enzyklopädie Medizingeschichte.'' De Gruyter, Berlin/ New York 2005, ISBN 3-11-015714-4, S. 344 f.; hier: S. 344.</ref>

Im 9. oder 10. Jahrhundert verfasste der Bagdader Arzt Ish?q ibn ?Imr?n, der auch als Leibarzt von u.?a. (Hrsg.): ''Enzyklopädie Medizingeschichte.'' De Gruyter, Berlin/New York 2005, ISBN 3-11-015714-4, S. 683.</ref> Contantinus überliefert neben der ausführlichen Beschreibung der Melancholie (''De accidentibus melancholiae'') auch erstmals systematische Therapieanweisungen ().

Im Mittelalter wurde die Melancholie mit den Sternbildern Waage, Skorpion, Schütze in Zusammenhang gebracht. In der Renaissance wurde die Auffassung populär ? vor allem durch die Schriften Marsilio Ficinos und Agrippas von Nettesheim ? die Melancholiker stünden unter dem Einfluss des Planeten Saturn.

Zum Syndrom

Die Bedeutung des Wortes ''melancolia'' war vielfältig und umfasste geistige Verwirrtheit, Depression infolge von Entwicklungsstörungen ebenso wie die Symptomatik bei Hirnhautentzündung, das Delir, den Kretinismus sowie Eklampsie und alle Formen der bereits von Constantinus Africanus als Unterform der ''melancolia'' beschriebenen Epilepsie, aber auch Asthma, Migräne, Tremor und Lähmungen sowie die Hysterie fielen unter diese Sammelbezeichnung. Bevor am Ende des Mittelalters eine Wandlung des Begriffs vom reinen Krankheitsbild zum ?Gefühl? erfolgte, wurde die Melancholie sowohl in der antiken als auch der mittelalterlichen Literatur negativ als Gemütsleiden gesehen. Eine Ausnahme bildet ein Fragment mit dem Titel ''XXX,1,'' das zeitweise dem .

Der englische Kleriker Robert Burton veröffentlichte mit seinem umfassenden Werk ''Anatomie der Melancholie'' (zuerst 1621) ein Kompendium des damals bekannten Wissens zu den unterschiedlichsten Ausprägungen und Formen der Melancholie nach dem humoralpathologisch geprägten Erkenntnisstand.

Mit der Entdeckung des Blutkreislaufs durch den englischen Forscher William Harvey 1628 entsprachen die bis dahin verbreiteten Theorien über den körperlichen Ursprung der Melancholie nicht mehr dem wissenschaftlichen Stand der Zeit. Trotzdem übten der Begriff und seine Assoziationen, genauso wie die Viersäftelehre, auch weiterhin einen Einfluss auf verschiedene Wissensgebiete aus.

Psychologie

Der Begriff der Melancholie hat sich von seiner Herkunft aus der Lehre der Körpersäfte gelöst und ist teilweise weiterhin für medizinische Diagnosen auf anderer Grundlage herangezogen worden, teilweise aber auch zu einem alltagssprachlichen Begriff mit einem großen Bedeutungsfeld geworden, das nicht nur pathologische Dimensionen hat.

In seinem Aufsatz ''Trauer und Melancholie'' von 1917 grenzt gefährdung der Melancholiker.

Im ''Lexikon der Psychologie'' wird vom melancholischen Typus als von einem ?mittelalterlichen Begriff? gesprochen, nämlich von seiner Verbindung mit der überholten Lehre von den Körpersäften. In der heutigen Psychologie findet man den Begriff eher selten. Laut ''Meyers Kleines Lexikon Psychologie'' (Mannheim, Wien, Zürich 1986) wird Melancholie heute zuweilen gleichbedeutend mit ''endogener Depression'' verwendet.

Bezug zur Religion

Im Mittelalter wurde die Melancholie als ''Mönchskrankheit'' bekannt und wurde als eng verwandt mit dem Konzept der '' wurde die Melancholie deswegen häufig als typische Krankheit der Protestanten bezeichnet.

Für den katholischen Religionsphilosophen Romano Guardini erschließt sich der eigentliche Sinn der Schwermut ''nur'' aus dem Geistigen, als ?die Beunruhigung des Menschen durch die Nachbarschaft des Ewigen.?

Literatur

Die Melancholie durchzieht die gesamte Literaturgeschichte als großes Thema.

Bildende Kunst

Die Darstellung der Melancholie und des ''Melancholischen'' projiziert oftmals die innere Schwermut in die Außenwelt. Dies kann die Verortung des Selbst in einer Landschaft sein, einem Zimmer, einem allegorischen oder symbolischen Raum. Albrecht Dürers rätselhafter Holzschnitt ''Melencolia I'' von 1514 prägte die allegorischen Konventionen der Melancholie-Darstellung für die folgenden Epochen (unter anderem ausgelegt in Gottfried Kellers Gedicht ''Melancholie''). In Vanitas-Darstellungen wird die Leblosigkeit der Objekte als Fehlen menschlicher Gemeinschaft betont.

Neben dem melancholischen Einklang der Seele mit einer Landschaft, insbesondere in der Romantik, finden sich viele weite Räume und Landschaften, oft auch eine merkwürdig ziellose oder verschobene Perspektive, unter anderem bei den folgenden bekannten Melancholie-Darstellungen oder bei Giorgio de Chirico (''Einsamkeit (Melanconia)'' 1912, ''Die Melancholie eines schönen Tages'' 1913, ''Melancholie eines Politikers,'' ''Gare Montparnasse (Melancholie der Abreise)'' 1914, ''Hermetische Melancholie'' 1918/1919).

<gallery class="center" caption="Berühmte Melancholie-Bilder">
Dürer Melancholia I.jpg|Albrecht Dürer: ''Melencolia I''
Lucas Cranach d. Ä. 034.jpg| (Hrsg.): ''Melancholie. Genie und Wahnsinn in der Kunst.'' Ausstellungskatalog. Hatje Cantz, Ostfildern / Ruit 2005, ISBN 3-7757-1647-5, S. 110?117.</ref>
Domenico Fetti - Melancholy - WGA7853.jpg|Domenico Fetti: ''Melancholia'' (ca. 1618?23)
Caspar David Friedrich - Der Mönch am Meer - Google Art Project.jpg|'' (1809/10)
Edvard Munch - Melancholy (1894-96).jpg|''
</gallery>

Literatur

'''Historisch bedeutende Werke '''
  • Marsilio Ficino: ''De vita libri tres.'' 1489 (auch unter dem Titel ''De triplici vita;'' insbesondere Kapitel IV: ''Quot sint causae quibus litterati melancholici sint vel fiant'').
  • .
    • Deutsche Neuübersetzung mit einem Essay von Ulrich Horstmann. Eichborn, Frankfurt am Main 2003, ISBN 3-8218-4529-5.
'''Forschungsliteratur'''
  • .'' 221). Hrsg. von Hellmuth Flashar, Darmstadt 1971, S. 165?191.
  • Hellmut Flashar: ''Melancholie und Melancholiker in den medizinischen Theorien der Antike'' (Habilitationsschrift 1965) Berlin 1966.
  • Roland Lambrecht: ''Der Geist der Melancholie ? Eine Herausforderung philosophischer Reflexion.'' Fink, München 1996, ISBN 3-7705-2925-1.
  • Wolf Lepenies: ''Melancholie und Gesellschaft.'' Suhrkamp, Frankfurt am Main, 1969 ).
  • Raymond Klibansky, Erwin Panofsky, Fritz Saxl: ''Saturn und Melancholie ? Studien zur Geschichte der Naturphilosophie und Medizin, der Religion und der Kunst.'' Suhrkamp, Frankfurt am Main 1990, ISBN 3-518-28610-2.
  • Jean Starobinski: ''Die Melancholie im Spiegel. Baudelaire-Lektüren.'' Hanser, München 1992, ISBN 3-446-15983-5.
  • Jean Starobinski: ''Geschichte der Melancholiebehandlung von den Anfängen bis 1900.'' Basel 1960 (= ''Documenta Geigy: Acta psychosomatica.'' 4); in überarbeiteter Übersetzung neu herausgegeben und mit einem Vorwort versehen von Cornelia Wild, Berlin 2011.
  • Julia Kristeva: ''Schwarze Sonne. Depression und Melancholie.'' Suhrkamp, Frankfurt am Main 1998, ISBN 3-518-11594-4.
  • László Földényi: ''Melancholie.'' Matthes & Seitz, München 1988, ISBN 3-88221-239-X.
  • Dietrich von Engelhardt u.?a. (Hrsg.): ''Melancholie in Literatur und Kunst.'' Hürtgenwald 1990 (= ''Schriften zur Psychopathologie, Kunst und Literatur.'' 1).
'''Lexikonartikel'''
  • Birgit Bressa: ''Melancholie.'' In: . Niemeyer, Tübingen / De Gruyter, Berlin 1992 ff., Band 10, Gregor Kalivoda (Hrsg.): ''Nachträge A?Z.'' De Gruyter, Berlin 2012, Sp. 669?687, ISBN 978-3-11-023424-4.
  • , Wolfgang Wegner (Hrsg.): ''Enzyklopädie Medizingeschichte.'' De Gruyter, Berlin/New York 2005, ISBN 3-11-015714-4, S. 964?967.

Weblinks

Anmerkungen

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